Mittwoch, den 11. April 2018

„Jetzt verstehe ich meinen Sohn“

Erhellende Spiele-Erfahrungen bei der Eltern-LAN

Die Medienscouts standen den Eltern mit Rat und Tat zur Seite, um die Programme zu verstehen und zu bedienen.

"Call of Duty" spielten die Eltern in zwei Teams den Tischreihen entsprechend gegeneinander.

Die Medienscouts gaben bereitwillig Auskunt über ihr eigenes Medienverhalten (hier: Malte Sommer, Tom Becker, Linus Kentrup und Jan-Luca Ahlert)

„Hohen Besuch“ hatte das Gymnasium St. Mauritz am gestrigen Dienstag, 10. April, gleich in zweifacher Hinsicht: Einerseits war ein zweiköpfiges Team (Arne Brücks und Ann-Christin Gaumann) von der Initiative Eltern-LAN (Bundeszentrale für politische Bildung) extra aus Berlin angereist, um eine LAN-Party für Eltern durchzuführen. Zum anderen aber hatte sich im Vorfeld die FAZ für eine Berichterstattung über dieses Projekt an unserer Schule angekündigt. Tatsächlich erschienen beide zur Veranstaltung, die unter Mithilfe der Medienscouts und auf Initiative von Politiklehrer und Medienbeauftragten Jan Klausdeinken durchgeführt wurde. 

Nach einer allgemeinen Einführung und Begrüßung durch die Medienscouts begann Brücks, der auch Gutachter des Jugend-Medienschutzes (FSK und USK-Vergabe) ist, mit einem ersten Erfahrungsaustausch, in dem die 11 anwesenden Mauritz-Eltern ihre Erfahrungen, Ängste, Befürchtungen und Fragen loswerden konnten und bereits viele Antworten von ihm und seiner Mitarbeiterin bekamen.
In zwei Blöcken konnten die Eltern der Spielewelt ihrer Kinder näherkommen, indem sie in „Minecraft“ nach einer Orientierungsphase eine sichere Hütte bauen mussten und in „Call of Duty“ in zwei Gruppen an einem virtuellen Kriegsgeschehen teilnahmen. Dieser Ego-Shooter bereitete vor allem im Vorfeld den meisten Eltern Sorgen, da sie verunsichert sind, was sie ihren Kindern zu spielen erlauben oder doch besser verbieten sollen.
Im Austausch über die Spiele zeigten sich schließlich aber fast alle Eltern aufgeschlossen, da ihnen klar wurde, dass es sich eben nur um eine virtuelle Realität handelt und auch Kinder diesen gedanklichen Transfer zumeist leisten können.
Anschließende Fragen und die pädagogische Aufbereitung der Erfahrungen brachten den Eltern schließlich mehr Sicherheit in der Einschätzung dieser Spielewelt. „Jetzt verstehe ich auch, warum mein Sohn manchmal so schreit, wenn er Computer spielt“, äußerte beispielsweise eine Mutter, während sie selbst gerade ganz gefangen vom Spielgeschehen ihrem virtuellen Gegner auszuweichen versuchte.
Auf die Frage der Referenten, ob es für die Eltern schwierig war, im Spiel Gewalt anzuwenden und die Gegner zu erschießen, waren sich fast alle einig: „Nee, wir haben alle auch Spaß gehabt und gelacht." Nur ein Vater äußerte: „Ich hatte schon Schwierigkeiten damit. Für mich war das Szenario zu real, damit kann ich nichts anfangen." Die Referenten wiesen aber auch darauf hin, das Spiel sei „ethisch bedenklich in bestimmten Einstellungen“, jedoch nicht in der Teamplayer-Einstellung, die an diesem Abend verwendet wurde.
Zur „Minecraft“-Erfahrung hoben die Eltern hervor, sie könnten die „Faszination, Dinge zu errichten und Welten aufzubauen“, nachvollziehen, jedoch schlug dieses Spiel nicht so viele in seinen Bann.
Schließlich war den Eltern ein fachlich-pädagogischer Austausch am Ende wichtiger als eine weitere Spielrunde. Für den Umgang mit Computerspielen in der eigenen Familie empfahlen die Experten, sich mit dem auseinanderzusetzen, was die eigenen Kinder interessiert und es nicht per se abzuwerten, sondern zu verstehen.
Kinder versuchten natürlich Grenzen zu überschreiten (z. B. auch in der Altersbeschränkung). Es gebe jedoch keinen „goldenen Weg" des Umgangs damit.
Regeln für den Umgang mit Medien sollten ausgehandelt und nicht von den Eltern vorgegeben werden. Als Empfehlung nannten die Referenten die Internetportale www.elternguide.online und clicksafe.de, wo noch mehr über den Umgang mit Medien und Regeln zu erfahren ist.
Fragen der Eltern waren beispielsweise: „Führt das Spielen nicht doch zur Abstumpfung gegenüber Gewalt?“ und „Fördert es nicht sogar Gewaltbereitschaft?“ Die Referenten gaben hierzu an, dass eine gewisse Abstumpfung tatsächlich stattfinde, übrigens auch durch ganz normales Fernsehen und die Art, wie Medien generell heute mit Gewalt, Sex und anderen Themen umgingen, jedoch die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen von sehr vielen Faktoren abhängig sei und das soziale Umfeld beispielsweise einen viel höheren Einfluss habe.

Im letzten Teil des Abends wurde noch über Computerspiele und Gewalt auf medientheoretischer Ebene gesprochen und die Mediennutzung der Jugendlichen heute thematisiert. Die anwesenden Schülerinnen und Schüler gaben im Schnitt an, ca. 2,5-3 Stunden täglich mit Computer und Handy zu verbringen. Fernsehen in konventioneller Weise sei für sie eigentlich kein Thema mehr.
Dabei sei das Nutzen der Medien durchaus auch eine Form der sozialen Interaktion, da man über das Internet einerseits kommuniziere (Social Media) und andererseits auch zusammen bzw. gegeneinander spiele.
Der für alle offenbar sehr vielseitige und erhellende LAN-Abend endete pünktlich um 21.45 Uhr.

Zu danken ist besonders auch den Medienscouts Jan-Luca Ahlert (Q1), Tom Becker (9b), Maja Hoffknecht (EF), Mira Karrengarn (9b), Linus Kentrup (EF), Lotta Schnuck (9b) und Malte Sommer (8c), die sich sehr selbstbewusst und kompetent einbringen konnten.

Thorsten Müller