Montag, den 07. Mai 2018

Von Blaumalerei und dicken Tieren

Der Kunst-LK zeigt seine Arbeiten

Am Freitag, 4. Mai, um 19 Uhr öffneten sich die Pforten zur Aula und das erstaunte Publikum, etwa 80 Schüler, Eltern und Lehrer, betraten bei elektronischer Lounge-Musik die Aula des St. Mauritz Gymnasiums im schummrigen Halbdunkel. Eingeladen hatte der LK-Kunst zur diesjährigen, finalen Jahrgangsausstellung des scheidenden Leistungskurses. Vor dem riesigen Kursporträt (260 x 200 cm), das nicht zufällig an die Arbeit von Boltanski „Abschlussklasse des Lychées Chases“ erinnert, auf der Bühne der Aula begrüßte Peter Lehrke als Kurssprecher die Besucher der Werksschau und illuminierte den Raum zum Auftakt für die Besucher. Er erläuterte in seiner Rede das Konzept der Ausstellung: Die Schüler hatten aus Stellwänden einen äußeren und einen inneren Bereich abgetrennt, so dass die Werksschau in zwei Kreisen durchlaufen werden kann. Im inneren Kreis sehen die Besucher die gemeinsamen Arbeiten der Schülerinnen und Schüler. Highlight der Kursarbeiten ist wohl die Vitrine mit den Tellern zum Thema „Nähe und Distanz“. In gefälliger, beinahe kitschiger Manier sind in Blaumalerei Teller mit scheinbar romantischen, angenehmen Landschaftsmotiven gemalt. Erst in den Irritationen der Details, in denen z.B. kleine, verwahrloste Puppen in den anmutigen gemalten Bäumen hängen, oder eine kaum erkennbare Schlinge das Idyll eines Waldes stört, werden die Besucher auf die Spur gebracht und spätestens in den Begleittexten wird deutlich: Es handelt sich um alles andere als anmutige Orte. Geschickt haben die Schülerinnen und Schüler ihr Publikum in die Irre geführt und auf den zweiten Blick wird deutlich: Die kitschigen Idyllen werden zu Schreckenslandschaften. Jeder Ort hat seine furchtbare Geschichte, die man in den kleinen Begleittexen nachlesen kann.

Ein weiterer Höhepunkt ist das Sofa mit den Kissen zum Thema „Dicke Tiere“. Hier haben die Schülerinnen und Schüler das Volumen des prallen, rundlichen Kissens genutzt, um auch die Tiere, die auf den Kissen dargestellt sind schon in der Anlage der Bilder „aufzuplustern“ die Füllungen der Kissen verstärken den Effekt und es befindet sich auf dem Sofa ein Kabinett von unförmigen und überdekorierten Kulturwesen, die eher wie die satten Kunden einer Fastfood Industrie wirken, als dass sie sich im natürlichen Habitat bewegen und behaupten könnten.

Drittes Großprojekt ist ein Karikaturenkartenspiel, bei dem die Schülerinnen und Schüler mit Hilfe des Fördervereins ein Skatkartenspiel in einer Auflage von 1000 Stück drucken lassen, und in Eigenregie schon die Hälfte der Spiele verkauft haben. Die Könige, Buben, Damen und Asse werden von Kollegen der Schulgemeinschaft dargestellt. Es kann bei der Ausstellung und auch noch danach für den Preis von 3,- Euro erworben werden.

Im äußeren der Kreise der Ausstellungswege stellt sich jede Schülerin und jeder Schüler des Kurses mit seinen eigenen Arbeiten vor. Gemeinsam ist allen „Messeständen“ ein Plakat, auf dem der Name des Schülers steht und sein ganzansichtiges Porträt inmitten seiner 50 persönlichsten Gegenstände dargestellt ist. In einer Vogelperspektive liegt jeder Schüler inmitten sorgfältig arrangierter Gegenstände auf einer Fläche von 2,5 x 2,5 Metern und gibt und verweigert gleichzeitig Einblicke in seine Persönlichkeit.

Im Außenkreis stellen Anna Winner, Anne Meister, Fee Paulus, Gregor Schiek, Hannah Lehr, Hendrik Marxkors, Jan König, Laura Winner, Maren Greiling, Marlene Schlautmann, Nouria Albert, Patricia Dittmar, Peter Lehrke, Pia Enke, Silveer Niehaus und Sophie Neiss Schwerpunkte ihrer Arbeit aus den zwei Jahren Leistungskurs aus. In der Qualifikationsphase hat jeder der jungen Künstlerinnen und Künstler seine ganz eigene Technik, seinen Ausdruck, Stil und Äußerungsform und ein sehr umfassendes Verständnis für die Tendenzen aktueller und klassischer Kunst gefunden. In theoretische Reflexion und praktischem Tun haben die Schülerinnen und Schüler einen Teil ihrer Ausbildung zu einer beeindruckenden Ausstellung zusammengetragen und sind jetzt bereit für die nächsten Lern- und Lebensabschnitte.

Brezeln und nichtalkoholische Getränke rundeten den Kunstkontakt für das aufgeschlossene Publikum ab. Bis 21:30 hatten die Aula am St. Mauritz für das Vernissage-Publikum die Türen geöffnet.

Die Ausstellung ist noch bis Mittwoch, den 9. Mai in der Aula des Gymnasiums St. Mauritz zu sehen.

Carsten Goerke